La Paz_22
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Besteigung El Misti Drucken E-Mail
Montag, 3. November 2008

Schon seit ich das erste Mal etwas über Arequipa gelesen hatte, habe ich mir es zum Ziel gemacht, eines Tages den El Misti (Wahrzeichen, Hausberg von Arequipa) zu besteigen. Der Misti ist ein 5'822m hoher Vulkan.

Ich wollte den Misti eigentlich bereits im Oktober besteigen, da ich von einem 'Kollegen' ein Angebot erhalten hatte. Dieses Angebot wurde dann aber wegen des Gringo-Bonus plötzlich um einiges teurer. Also habe ich wieder abgesagt. Ein wenig später hat mich dann eine Kollegin auf Farley und den Club Lacarasur aufmerksam gemacht. Dies ist anscheinend etwas Ähnliches wie SAC in der Schweiz, allerdings noch in den Kinderschuhen.

Hier schien der Preis fair. Meine Mitbewohner Colin und Roy und einige andere Kollegen wollten auch mitkommen. Am 1. November war es dann soweit. Wir trafen uns um 8:00 beim Plaza de Armas. Hier warteten zu meinem Erstaunen 28 weitere Personen. Bald darauf fuhr ein Combi für ca. 15 Personen (Sitzplätze) vor und man zwängte sich wie gewohnt in den Combi - los ging die Reise.

Über den Schwierigkeitsgrad des Misti hatte ich sehr Unterschiedliches gehört. Von sehr einfach über gefährlich bis hin zu Leuten, die nicht mehr aufgetaucht sind, habe ich alles gehört. Dies kam auch ein wenig in der unterschiedlichen Ausrüstung der Teilnehmer zur Geltung. Viele waren mit Turnschuhen unterwegs oder bloss mit einem dünnen Schlafsack, obwohl es in der Nacht anscheinend unter Null werden sollte. Ich war also mal gespannt.

Anfahrt

Der Combi hatte bei der Anfahrt einige Male ziemlich zu kämpfen. Deswegen kamen wir bereits vor der Ankunft in den Genuss, jeweils ein wenig zu laufen. Ich hatte erwartet, dass wir von der Nordseite her aufsteigen würden, was aber anscheinend nicht der Fall war.

Aufstieg

Der Weg begann sehr gemächlich und der erste Teil war schnell hinter uns gebracht. Hier machten sich bereits die unterschiedlichen Tempi der Personen bemerkbar. Daher bildeten sich viele kleine Gruppen. Nach dem ersten Stück stieg es dann einiges steiler an und wir wanderten auf einem 'Grat' aus Stein und Sand in die Höhe. Ich bevorzugte eigentlich jeweils die Steinabschnitte, da man im Sand oftmals 2 Schritte machte und einen zurückrutschte, was das Ganze ein wenig mühsam machte.

Viele bevorzugten aber den Sandteil, da man hier die Hände nicht benutzen musste. Dies war ein Vorteil für Viele, da sie in den Händen Wasserflaschen, Zelt oder Schlafsack trugen. Ich weiss nicht, ob dies bei einer Bergtour in der Schweiz möglich wäre.

Der Weg wurde nicht flacher; die Gruppen rissen immer weiter auseinander. Bisher konnte ich problemlos vorne mithalten. Nach ca. 5 Stunden erreichten wir den ersten Rastplatz, wo sich genügend Platz findet, um Zelte aufzustellen. Dieser befindet sich auf ca. 4200m. Hier hatte sich bereits eine Gruppe eingerichtet. Unser Führer wollte weiter zum zweiten Rastplatz, der auf ca. 4500m und ca. 1h entfernt liegt.

Die Sonne brannte die ganze Zeit auf uns nieder und an Schatten war leider nicht zu denken. Nun begann ich allmählich die Höhe zu spüren. Mein Herz hatte sich entschieden, die Schlagfrequenz ziemlich plötzlich zu erhöhen, weshalb die Schritte kleiner und schwerer wurden. Trotzdem schaffte ich es aber zum zweiten Rastplatz (der Weg dazwischen ist sehr steil, daher wollte der Führer uns diesen Weg morgen ersparen) und konnte damit beginnen, das Zelt aufzustellen.

Kaum stand das Zelt, holte ich meine Pasta hervor, verdrückte diese, machte ein par Photos, legte mich in meinen Schlafsack und schlief sofort ein. Es war nun etwa 16 Uhr. Ca. 1h später kamen meine 'Zeltmitbewohner' an und weckten mich. Wir richteten uns gemeinsam ein und legten uns um 18 Uhr schlafen.

Nun konnte dem Ganzen eigentlich nichts mehr im Weg stehen. Ich fühlte mich gut. Morgens um 2 Uhr sollten wir für eine sechstündige Wanderung Richtung Misti aufbrechen, damit wir um 8 Uhr den Krater erreichen. Diese Wanderung sollte aber nur mit dem nötigsten sein, also ohne Zelt, Schlafsack, ...

Höhenkrankheit

Leider kam es für mich ein wenig anders. Um ca. 20 Uhr wachte ich aus für mich vorerst unerfindlichen Gründen auf. Dann realisierte ich, dass ich ziemlich Kopfweh hatte und mir ein wenig schlecht war. Da schwante mir Übles. Ich vermute, es war die Höhenkrankheit. Daraufhin störte ich meine Zeltmitbewohner, worauf die mir irgendwelche Drogen anboten. Ich hoffte mal, dass es irgendwelche einheimischen Wundermittel waren und schluckte noch eine Kopfwehtablette. Irgendwie schien das Ganze aber überhaupt nicht zu helfen, um ich tat bis um 2 Uhr morgens kein Auge zu.

Nun hatte ich eine harte Entscheidung zu treffen. Ich hatte mich auf die Besteigung mehr als 2 Monate gefreut, und jetzt wenn es soweit sein soll, will mein Kopf nicht mitmachen. Leider ist bei Höhenkrankheit die Regel, dass man absteigen sollte, und auf keinen Fall aufsteigen. Und nochmals 1'500m waren wohl nicht zu unterschätzen. Also entschied ich mich schweren Herzens dagegen, es zu versuchen. Dadurch war meine Laune ziemlich auf dem Nullpunkt angelangt, was wohl meine Umgebung auch zu spüren bekam. Damit ich doch etwas vom Misti hatte, gab ich meine Kamera einen Kollegen mit, damit er einige Bilder machen konnte (siehe Galerie).

Fast noch ein wenig schlimmer war es, als ich am nächsten Morgen um ca. 7 Uhr aufwachte und mich ziemlich gut fühlte. Das 'Wundermittel' welche sie mir gestern gegeben hatten, schaute ich mir nun ein wenig genauer an; darauf stand gross Novartis. Als ich ihnen erklärte, dass diese Lutschtablette von einer Firma aus meinen früheren Wohnort stammt, waren sie ziemlich erstaunt.

In der Nacht hatten sich schlussendlich 17 von 29 Personen an den Aufstieg gewagt, wovon 6 bereits früher wieder umkehrten. Um ca. 10 Uhr kamen dann zu meinem Erstaunen 10 der 11 erfolgreichen Besteiger zurück. Der Abstieg dauerte anscheinend nur ca. 45min bis zu einer Stunde, da man alles einfach im Sand 'surfen / rennen' kann. Jose, die 11. Person, brauchte noch ca. 1 1/2 Stunden länger, weshalb ich mir ziemlich Sorgen machte. Er war ein wenig später beim Krater angelangt, und interessanterweise hatten ihn die Führer allein gelassen, da sie ihm den Weg ja erklärt hatten. Leider war er lange Zeit per Natel nicht erreichbar, aber mit einiger Verspätung kam er dann auch heil im Camp an.

Nacht

Die Nacht wird hier ziemlich kalt. Dazu kommt noch der Wind. Ich vermute, es ist unter Null grad gewesen. Möchte man bis zum Krater vordringen, sind gute Kleider unabdingbar. Ich hatte in der Nacht genügend warm, obwohl mein Schlafsack wohl nur für bis zu 0 Grad geeignet ist; doch ich hatte mehrere Schichten Kleider an.

Abstieg

Nun konnten wir uns also an den Abstieg machen, welcher anscheinend nur 1 1/2 Stunden dauern sollte. Wieso stellte ich schnell fest, als wir statt wie beim Aufstieg über die Felsen die Sandflächen (und feines Geröll) zwischen den Felsen für den Abstieg nutzen. Hier liessen sich sehr grosse, schnell Schritte machen, die durch den Sand abgefedert wurden. So konnten wir 1000 Höhenmeter in ca. 30 Minuten hinter uns bringen.

Im Sand machte sich dann aber das gute Schuhwerk von vielen Personen bemerkbar: Drei Personen übertraten sich den Fuss, da es doch da und dort einen Steinbrocken hatte. Die letzten 45 Minuten mussten wir dann noch auf einem einfachen Weg gehen / hinken und kamen schliesslich am Platz an, wo uns der Kombi wieder mitnahm.

Essen

Zum Abschluss ging ich mit meinen Kollegen in einen Picanterie, wo es ein schönes, grosses Chicharron mit viel Fett gab. Der Kellner wollte mir zuerst ein teureres ohne Fett anbieten, was ich verstört ablehnte.

Die ganze Besteigung war für mich leider nicht so erfolgreich wie erhofft gewesen. Das heisst wohl, dass ich es erneut versuchen muss, oder einen anderen Berg ins Visier nehme. An den konditionellen Faktoren sollte es eigentlich nicht gelegen haben. Höhenkrankheit ist anscheinend gar nicht so einfach zu erklären. Vor allem nicht, welche Personen es trifft und welche nicht. Ein gutes Gegenmittel scheinen Cocoa-Tee und -Blätter zu sein. Diesen Tee trinke ich eigentlich hier ziemlich oft, aber in den letzten Tagen leider nicht, und ich habe es auch nicht für den Aufstieg mitgenommen. Hätte mich wohl vorher besser erkundigen sollen. Zur besseren Aklimatisierung an diese Höhe könnte ich wohl vor dem nächsten Tripp zuerst einige Tage z.B. nach Puno gehen, das auf 3800m liegt.

Schwierigkeitsgrad / Empfehlung

Meiner Meinung nach ist der Misti nicht allzu einfach zu besteigen. Daher würde ich es für untrainierte Leute eigentlich nicht empfehlen. Der sechsstündige Aufstieg bis zum Camp 2 ist nicht ganz einfach, da Zelt, Schlafsack, Wasser und alles Essen mitgetragen werden muss. Mir stellte (glaube ich auf jeden Fall) schlussendlich die Höhe ein Bein. Dies sollte man wohl auf jeden Fall bedenken. Ich lebe nun doch schon mehr als 2 Monate auf 2500m, daher ist es für Leute, die bloss in die Ferien hierher kommen, wohl noch schlimmer.

Die Besteigung als Zweitagstour kann ich aber grundsätzlich sehr empfehlen. Nach meinem Empfinden ist es nicht gefährlich und es hat keine 'schwierigen' Stellen, bei welchen man klettern müsste. Es geht schlussendlich einfach darum, durchzubeissen und sich von der Höhe nicht beirren zu lassen.

Bilder

Einen Dank an Alvaro, welcher mit meiner Kamera alle Bilder vom Krater gemacht hat. Daher habe ich auch fast alle Bilder hochgeladen. Jeder, der Bilder möchte, kann diese auswählen. Ich werde ihm diese anschliessend in hoher Qualität zusenden.

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