IMG_6580
EnglishDeutsch
Harte zwei Wochen Print E-mail
Mittwoch, 26 November 2008

Grundsätzlich hatte ich geplant, diese Woche Vorlesungen zu halten und sollte eigentlich im Moment keine Zeit haben, um Blogs zu schreiben. Doch es kam alles anders als geplant. Am besten beginne ich von vorne.

Vor ca. 2 Wochen hatte ich die Idee, an der Universität eine Vorlesung zu halten. Die Studenten hier haben von Entwicklung in einem Team, Versioning oder Testing leider keine Ahnung. Da es ursprünglich geplant war, dass ich mit einigen Studenten im Projekt Incascard zusammenarbeite; dies brachte mich auf diese Idee. Anstatt Jeden einzeln einzuführen und das Gleiche 100 Mal zu erklären, wäre es wohl einfacher, gerade einen Kurs daraus zu machen. Da das Projekt im Januar einen Ersatz für mich braucht, wäre es ev. so auch möglich gewesen, eine talentierte und motivierte Person zu finden.

Also formulierte ich meinen Plan genauer und präsentierte ihn dem Dekan. Dieser fand die Idee sehr gut und motivierte mich, das Ganze zu organisieren. Er meinte, er würde mich dabei unterstützen. Also stürzte ich mich in die Vorbereitung, begann Dokumentation zu lesen, Zusammenfassungen zu schreiben, Präsentationen zu machen und erstellte sogar eine kleine Kurswebseite unter curso.ruflin.com.

Den Kurs wollte ich in stoodl durchführen. Dort würde ich alle Dokumente online verwalten können und die Studenten könnten selbst Dokumente hochladen, kommentieren und bewerten. Dies passte sehr gut in den Kurs, da es dabei auch um Teamwork gehen sollte.

Doch bevor dies mit stoodl möglich war, musste stoodl auf Spanisch übersetzt und der Universtätsbaum der Catolica implementiert werden. Dies musste ich also auch noch machen und organisieren.

Vor etwas mehr als einer Woche hatte ich eine Sitzung mit Beto, in der wir den ganzen Kurs besprachen. Es gab einen Punkt, den ich aus Zeitgründen nicht selbst erledigen konnte: die Organisation der Kursteilnehmer, also primär die Publikation des Kurses für die Studenten. Also sagte ich ihm, dass er mir genau in einem Punkt helfen muss, nämlich der Organisation von Teilnehmern und dass ich ihm darin vertraue, dass er diesen Punkt erledigen wird.

Noch waren aber längst nicht alle Probleme gelöst. Im Netzwerk an der Universität sind fast alle Ports ausser 80 gesperrt. Zusätzlich laufen alle Computer mit DeepFreez, was heisst, nach jedem Login werden alle Daten des Users gelöscht. Doch leider funktioniert dies in meinem Kurs nicht, da die Personen lokal mit SVN arbeiten müssen. Diese Problem löste ich, indem ich einen weiteren Server organisierte und sich die Clients anschliessend über ein VMware image mit LDAP beim Server anmeldeten und die Daten direkt auf dem Server ablegten.

Doch die Organisation von zwei Computern (Server und Testclient) stellte sich als alles andere als einfach heraus. Grundsätzlich hat die Universität ca. 250 neue Computer im Lager. Aber anscheinend kann man für den Kurs nicht einfach zwei davon ausleihen, da dies administrativ nicht möglich ist. Um die Computer doch zu bekommen, muss man die richtigen Leute kennen. Dies habe ich inzwischen in Peru gelernt. Also kontaktierte ich nochmals den Dekan und den Hauptinformatikverantwortlichen, die jedoch anscheinend beide nicht genügend Rechte hatten, um das zu organisieren. Also wurde eine Sitzung mit dem Vize-Rektor fällig. Spätestens jetzt hatte ich wohl alle Regeln der Hierarchie hier gebrochen. Egal.

Schlussendlich habe ich die beiden Computer letzten Donnerstag bekommen. Grundsätzlich hatte man sie mir für den letzten Montag versprochen, aber was sind schon 3 Tage, wenn ich nur noch 2 Tage zum Installieren, Aufsetzen etc. habe. Eigentlich hatte ich gesagt, dass ich den Kurs nicht machen werde, wenn ich die Computer nicht bis Montag habe. Doch ich entschied mich nochmals um.

Am Freitag konnte ich fast die ganze Installation fertigstellen und die ersten Vorlesungen waren auch mehr oder weniger bereit. Ich wusste aber, dass ich das Wochenende brauchen würde, um am Montag bereit zu sein.

Langsam machte ich mir ein wenig Sorgen, dass ich ev. nicht genügend Teilnehmer haben werde, da ich bisher noch nie eine Liste gesehen oder selbst von meinem eigenen Kurs gehört hatte. Hier war also ein Telefonanruf nötig, um abzuklären, ob es funktionieren würde. Mir wurde versichert, dass ich bestimmt genügend Personen haben werde. Also stand der Arbeit am Wocheende nichts mehr im Wege. Statt mit Aiesec nach Sogay campen zu gehen, stürzte ich mich in die Arbeit.

Am Montag morgen war ich bereit für den Kurs, der um 13 Uhr beginnen sollte. Wenig später kam Beto. Auf meine Frage hin, ob wir genügend Teilnehmer hätten, meinte er ja. Auf die Frage hin, wie er das wisse, meinte er, dass ihm diverse Personen ihr Kommen versichert haben. Interessanterweise gab es keine Liste, in welche sich die Studenten hätten einschreiben müssen. Da wurde ich bereits sehr skeptisch.

Als um 13:30 eine Rekordzahl von 0 Studenten auftauchen, war der Fall wohl klar. Hier hatte jemand vergessen, den einzigen Punkt zu organisieren, den er organisieren musste. Zu meinem Erstaunen war Beto selbst erstaunt, dass niemand gekommen war. Das kann ich mir bis heute nicht erklären. Nach einigen bösen Worten und einem noch böseren E-Mail verliess ich das Büro und ging in eine der Bars, die sich rund um die Universität befinden und in welchen sich Studenten bereits am Nachmittag besaufen können.

Falschgeld

Ich bestellte ein Cuscena und bezahlte mit 20 Soles. Darauf konnte der Barkeeper nicht gleich wechseln. Ich setzte mich und er brachte mir ca. 5 Minuten später meine 15 Soles in drei 5 Soles Stücken. Ich dachte mir nicht viel dabei und steckte sie ein. Nach dem Bier ging ich mit dem Combi nach Hause. Im Combi versuchte ich, mit einem der 5 Soles Stücke zu bezahlen, woraufhin mir nach ca. einer Sekunde gesagt wurde, dass dies Falschgeld war. Ich war ziemlich erstaunt, da ich bisher immer nur die Noten kontrolliert hatte. Glücklicherweise waren die beiden anderen Münzen kein Falschgeld.

Als ich aus dem Combi ausgestigen war, vergleichte ich die anderen beiden Münzen, konnte aber nicht wirklich einen Unterschied feststellen. Im El Super versuchte ich erneut, mit der Münze zu bezahlen, doch auch hier wurde mir ziemlich schnell gesagt, dass es Falschgeld ist. Auf die Frage hin, wie die Kassiererin das sehe, meinte sie, die Kontur komme weiter nach aussen. Dies stimmt, allerdings dachte ich, dies sei einfach eine Münze, die noch nicht so abgenützt ist wie die meisten anderen, da die Münze von 2008 ist.

Inzwischen glaube ich auch, dass die 5 Soles Falschgeld sind; doch eigentlich gar nicht schlecht gemacht. Wenn man die Münze auf den Boden wirft, gibt es ein anderes Geräusch. Daher muss ich wohl in Zukunft alle Münzen zuerst auf den Boden werfen, bevor ich sie akzeptiere.

Als ich die Münze meinen Kollegen zeigte, sagten die meisten auch sofort, dass es Falschgeld ist. Dies beeindruckte mich ziemlich, da ich sogar beim Vergleich mit einem Original Mühe hatte, die beiden zu unterscheiden. Anscheinend lernt man hier schon als kleines Kind, Falschgeld zu identifizieren. Meine Kollegen hatten auch gleich einige Tipps, wie ich das Falschgeld wieder loswerden könnte, z.B. im Ausgang in einer dunklen Bar. Dies erklärt wohl, wieso das Falschgeld hier im Umlauf bleibt; der so genannte Kreislauf des Falschgeldes.

Kurs die Zweite

Als ich zu Hause war, entschied ich mich, mich noch nicht geschlagen zu geben. Der Kurs "Team Development & Unit Testing" sollte doch noch stattfinden. Ich hatte 2 Stunden mehr eingeplant als ich benötigte. Das heisst, auch wenn ich am Mittwoch beginnen würde, hätte ich noch genügen Zeit. Auch dachte ich, dass es bestimmt Studenten gibt, die sich dafür interessieren, da sich mit dem Kurs zwei offizielle Kreditpunkte der Universität "verdienen" lassen. Also zapfte ich mal meinen Kontakt an und schaute, was sich machen liess. Diese meinte, dass vielleicht schon etwas machbar wäre, aber weshalb ich sie erst so spät kontaktiere. Dies fragte ich mich jetzt natürlich auch, da ich es eigentlich besser hätte wissen müssen. Mit Vertrauen funktioniert es hier nicht, auch wenn es sich nur um einen Punkt auf der Liste handelt.

Da Mittwoch zu früh war, entschied ich mich mit meinen Kollegen, den Kurs am Freitag zu beginnen. Hier waren eigentlich keine Stunden geplant. Dies war alles schön und gut, da mich bereits interessierte Studenten nach dem Kurs gefragt haben. Also war ich wieder ziemlich motiviert. Doch noch am gleichen Abend kam der Dämpfer. Anscheinend hatte man mir vergessen zu sagen, dass am Freitag der Tag der Fakultät ist und an diesem Tag keine Vorlesungen stattfinden. Dies würde ich als typisch peruanisch bezeichnen. Alle wissen, dass der Kurs am Freitag ist, und alle wissen, dass am Freitag der Tag der Fakultät ist. Aber keiner denkt so weit, dass dies irgendwelche gegenseitige Auswirkungen haben könnte. Doch anscheinend gibt es diese!

Lügen

Zusätzlich dazu musste ich leider erneut feststellen, wie viele kleine bis grosse Lügen täglich erzählt werden. Dummerweise habe ich gelernt, das meiste zu kontrollieren oder irgendwo anders nachzufragen, wodurch ich die Lügen jeweils zu Tage fördern kann. Konfrontiere ich die Personen mit den Lügen, bestreiten sie es zuerst und sagen, dass es wohl ein Misstverständnis war. Oder noch einfacher: Sie schieben es auf andere Leute ab. Dummerweise habe ich öfters noch die E-Mails mit den entsprechendne Angaben. Anschliessend entschuldigen sich die Personen (und beziehen sich nicht mehr darauf, dass sie gerade zuvor auch gelogen haben) und versichern mir, wie schlecht das ist, und es sei einfach dumm gelaufen. Dies könnte ja sein, wenn es nicht fast täglich vorkommen würde. Ehrlich gesagt ist dies oftmals ziemlich frustrierend und ich bin noch immer oftmals zu dumm und vertraue oder glaube den Personen.

Regeln gebrochen

Während der Vorbereitung des Kurses habe ich wohl so ziemlich alle Regeln der Hierarchien gebrochen, die es hier gibt. Z.B. hatte ich eine Sitzung mit dem Vize-Rektor und sprach fast täglich mit dem Dekan oder dem Chef der Informatik. Ausserdem hatte ich eine Sitzung mit allen Informatikverantwortlichen, da mir eines Tages herausgerutscht ist, dass die Informatikinstallationen hier an der Universität ziemlich 'Crap' sind. Daher wollten sie von mir mal wissen, wie es denn in der Schweiz gemacht wird. Glücklicherweise habe ich davon mehr oder weniger eine grobe Ahnung. Das Gespräch war ziemlich konstruktiv. Es waren sechs Personen anwesend. Mit fünf Personen war eine Dikussion möglich. Sie zeigten sich interessiert und zeigten mir auch, was die Probleme hier sind. Grundsätzlich ist im Moment hier an der Universität die Vorgehensweise, dass alles verboten ist. Es wird nur erlaubt, was wirklich nötig ist. Meiner Meinung nach funktioniert diese Taktik aber nicht. Viele Seiten sind hier eigentlich geblockt. Doch die Studenten haben schon längst mit Tunnel-Webseits einen Weg gefunden, um Webseiten wie Facebook, YouTube etc. zu besuchen.

Bei der sechsten Person wurde mir ziemlich schnell klar, dass ich alle Hierarchieregeln gebrochen hatte. Hier war die Standardantwort einfach nein. Ich wurde darauf hingewiesen, dass ich die erste Person sei, die sich darüber beklagt, dass zum Beispiel https gesperrt sein. In Europa beispielsweise sind aber die meisten Webmail-Zugäng über https.

Im Bezug auf diese Anschludigung hatte ich eine interessante Gegenfrage: Wie ist es für einen Studenten möglich, sich darüber zu beklagen; also Verbesserungswünsche anzubringen? Leider versandete diese Frage. Aber ich weiss aus Erfahrung, dass, wenn sich ein Student darüber beklagen würde, die Antwort wohl einfach wäre: "Was hast du schon zu melden; wir wissen, was wir tun". Und der Student hätte wohl schon gar nicht die Möglichkeit, direkt mit den Verantwortlichen zu sprechen. Zuvor müsste er eine ganze Anzahl an Hürden nehmen, die ziemlich nervenaufreibend sein können. Ich rede aus Erfahrung. Daher habe ich mich entschieden, alle diese Regeln zu brechen. Ist einfacher und geht schneller. Doch dies ist wohl als Gringo einfacher als als Peruaner.

Frustration

Dass der Kurs nicht stattfindet, ist natürlich sehr frustrierend, da ich noch immer der Meinung bin, dass es für viel Studenten sehr interessant gewesen wäre, einen Einblick in dieses Thema zu erhalten. Die Themen meines Kurses werden auch hier in Peru in Zukunft immer wichtiger. Und bisher wird es hier an der Universität nicht unterrichtet.

Aber es gibt weitere Punkte, die mich in diesem Zusammenhang frustrieren. In den letzten zwei Wochen bin ich ziemlich vielen Leuten auf den Füssen herumgetrampelt, da ich Dinge erledigt brauchte. Dazu gehören auch Kollegen, die ich herumgestresst habe. Jetzt, da der Kurs nicht stattfindet, war alles umsonst. Was ich aus dem Ganzen lernen soll, weiss ich bisher noch nicht genau. Aber mir wird schon noch was einfallen.

HD kaputt

Auch gestern Abend musste ich nochmals feststellen, dass dies überhaupt nicht meine Woche ist. Ich sass im Bett und wollte auf meine externe 500GB Disk ein Backup machen. Also steckte ich diese in meinem Computer ein. Während die Disk zu drehen begann, wollte ich mich in meinem Bett aufrecht an die Wand setzen, wodurch ich mich ein wenig verschob. Dies reichte, um über das Kabel einen kleinen Ruck an die HD zu geben. Diese machte einen kleinen Hüpfer und gab sogleich den Geist auf. Also musste ich heute Morgen erneut Geld investieren, um eine neue HD zu kaufen. Wenn ich nämlich kein Backup mache, wird bei meinem Glück wohl noch diese Woche mein Computer kaputt gehen und ich alle Daten verlieren. Dies wäre dann überhaupt nicht mehr lustig.

Die Woche ist noch nicht zu Ende. Mal schauen, was noch alles auf mich zukommt.

Comments

Add New
SAUL 2009-01-11 00:43:11
 
saludos
no entiendo mucho de lo que escribes pero a la proxima escribelo tambien en español
saludos
SAUL
 
Write comment
Name:
Email:
 
Title:
:D:):(:0:shock::confused:8):lol::x:P:oops::cry:
:evil::twisted::roll::wink::!::?::idea::arrow:
Please input the anti-spam code that you can read in the image.

3.26 Copyright (C) 2008 Compojoom.com / Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."